Das SDK und die Folgen

07.03.2008 von Jens-Christian Fischer |

Nach der Pressekonferenz gestern wissen wir eine ganze Menge mehr über die Pläne von Apple in Bezug auf die Plattform iPhone / iPod Touch. Die Ankündigung des SDKs war erwartet worden und wie üblich gab es im Vorfeld die üblichen Gerüchte über Einschränkungen, Behinderungen freier Software durch Apple etc.

Vorweg: Apple ist in vieler Hinsicht eine Firma die für geschlossenheit steht. Der iPod ist ein geschlossenes Universum, das iPhone auch - bis gestern. Apple öffnet mit dem SDK das iPhone in weit höherem Masse als ich das gedacht habe.

Erstens: Das [SDK ist frei verfügbar][2] (2.1 GB Download). Es ist kein verkrüppeltes Ding, dass Zugriff auf Funktionen der Plattform einschränkt: Von EDGE, Location Services, Kamera, Mikrophon, interen Applikationen wie den Kalender oder das Addressbuch: alles lässt sich von eigener Software nutzen. Damit sind die Befürchtungen widerlegt, die von heftigen Einschränkungen ausgegangen sind. Selbstverständlich gibt es gewisse Einschränkungen: Eine Anwendung darf nur auf ihre eigenen Daten zugreifen. In der Praxis ist das wohl eher ein Vorteil und sorgt für eine höhere Sicherheit.

Zweitens: Apple kontrolliert die Verbreitung der Programme. Natürlich heult die Jailbreaking Szene auf, die am liebsten jede Software von überall installieren würde. Genau das läuft aber Apples Bestrebungen für totale Kontrolle entgegen. Das nun vorgestellte Modell scheint mir ein guter Kompromiss zu sein. Es ist einfach, Software für das iPhone zu schreiben. Die Kosten von US$ 99 für die Aufnahme in das iPhone Developers Programm sind ein Klacks und sorgen dennoch dafür, dass wir nicht mit hundertes “Hello World” Programmen beglückt werden. Apple bleibt in der Lage, gefährliche Software zu unterbinden (wobei gefährlich auch Pornographisches umfasst).

Drittens: Der AppStore ist mit dem nächsten iPhone Update auf jedem iPhone und jedem iPod Touch installiert. Programme auszuwählen, zu kaufen und zu installieren wird eine Sache von wenigen Sekunden sein - der mobile iTunes Shop zeigt, wie es geht und wie komfortabel der Vorgang ist. Für Hersteller von iPhone Software sind damit sämtliche Probleme im Berich Logistik, Vertrieb und Verkauf ihrer Software gelöst. Apple lässt sich diesen Service mit 30% des Verkaufspreises vergüten. Die Apple Entwickler äussern sich im Sinne von: “Damit kann man (gut) leben”. Freie Software ist möglich und Apple nimmt 30% von 0. Damit ist eine wichtige Hürde für die Akzeptanz weggeräumt: Man kan freie Software schreiben, Apple bezahlt die Logistikkosten (und kommt zu einem grösseren Ökosystem an Anwendungen).

Viertens: Wie vorhergesagt wird Apple dem Bereich Enterprise verstärkt Beachtung schenken. Die Lizensierung von ActiveSync von Microsoft ist ein starkes Signal. Die Kommunikation mit Exchange Servern ist gewährleistet und die weiteren Ankündigungen (WLAN, VPN, remote Wiping, …) sind Dinge, die die IT Abteilung einer Firma absolut benötigt. RIM und die Blackberries sind ins Fadenkreuz von Apple gerückt.

Fünftens: Überraschenderweise wurde an der gestrigen Präsentatio ein grosser Fokus auf den Bereich Spiele gelegt. Das iPhone als Konkurrenz zum Gameboy und der PSP? Die Demos haben Eindrücklich vorgeführt, welches Potenzial in der Hardware steckt. Neben der Steuerung über Bewegung (das kannten wir ja bereits) überraschte die Qualitiät der Graphik.

Sechstens: Die Entwicklungsumgebung ist besser als erwartet. Dass sie auf XCode basieren wird, war eigentlich klar. Dass aber auch InterfaceBuilder und Instruments, sowie ein iPhone Simulator vorhanden sind, sind erfreuliche Überraschungen. Die Möglichkeit, eine auf dem iPhone laufened Anwendung zur Laufzeit zu debuggen und Performancemssungen zu machen, ist genial. Die Verwendung von einem “richtigen” Betriebssystem zahlt sich für Apple voll aus. Verbesserungen auf der Seite Computer (wie das erwähnte Instruments, einer Portierung des DTrace Frameworks von Sun) zahlen sich doppelt aus, wenn auch iPhone Anwendungen damit verbessert werden.

Alles in allem ist diese Ankündigung ein grosser Tag für das iPhone und seine Zukunft. Ich bin der Überzeugung, dass Apple sehr viel richtig gemacht hat um die Ansprüche seiner Kunden zu befriedigen. Die Enterprise Fähigkeiten, die Öffnung für freie Software, ein umfassendes SDK, ein funktionierender Vertriebskanal zu fairen Konditonen… All das gibt der Plattform iPhone einen gewaltigen Schub - [für die nächsten 20 Jahre][1], wie Jason Fried von 37Signals meint.

[1]: http://www.37signals.com/svn/posts/900-iphone-sdk-apples-touch-platform-and-the-next-two-decades
[2]: http://developer.apple.com/iphone/program/

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