Vodafone gegen T-Mobile — Sandkastenspiele?

21.11.2007 von Jens-Christian Fischer |

Beinahe möchte man meinen, dass die deutschen Vodafone Manager sich ihrer Erfahrungen aus dem Sandkasten bedienen. Dort rennt Kind bekannterweise zu Mami oder dem grossen Bruder, wenn ein grösseres Kind einem das schöne Spielzeugauto fortnimmt.

Ich bin mir aber sicher, dass es andere Gründe dafür gibt, dass Vodafone (und Debitel als Trittbrettfahrer) mit gerichtlichen Verfügungen gegen T-Mobile vorgeht. Ich bin zuwenig Jurist und kenne mich mit den seltsamen deutschen Gesetzen schon gar nicht aus, um beurteilen zu können, ob die Klage gegen T-Mobile den Hauch einer Chance hat.

Mit etwas Boshaftigkeit könnte man vermuten, dass der »iPhone Killer« wie Blei in den Regalen liegt und die lukrativen €99/Monat nicht an den Mann gebracht werden. Unterdessen erfreut sich T–Mobile an mehreren 10′000 neuen 24-Monats Verträgen. Die Kunden sind gebunden, das Geld kommt sicher beim Carrier an. Doch diese Überlegung greift zu kurz. 10′000 iPhone Kunden mit einem €49 Vertrag bringen auch nicht mehr als knappe 12 Millionen Euro in zwei Jahren. Das ist Geld für die Portokasse (und die 30% die Apple kassieren soll gerade auch).

Ich vermute vielmehr, dass die Verantwortlichen bei Vodafone, Debitel und wie alle die heissen, die nicht zum Zug gekommen sind, vor etwas ganz anderem das Hosenflattern haben:

Apple ist daran die Spielregeln im Mobilmarkt ganz gehörig durcheinanderzuwirbeln. Und das liegt überhaupt nicht im Interesse der Carrier, die sich in den letzten 15 Jahren mit ihren Kunden alles erlauben konnten.

Apple hat bereits einmal erfolgreich die Spielregeln in einem Markt grundsätzlich auf den Kopf gestellt. Dort hat es Jahre gedauert, bis die Verantwortlichen eingesehen haben, dass es den Käufern von Musik gerne digital und einfach hätten.

Hier sind die geänderten Rahmenbedingungen, die Apple den Mobilcarriern auferlegt:

  • Die Carrier müssen einen Teil ihrer Einnahmen an Apple abgeben: Vorbei die Zeiten, als das ganze Geld beim Carrier blieb und die Endgerätehersteller
  • Das iPhone ist in ständiger Enfwicklung: Die gleiche Hardware die vor 6 Monaten verkauft wurde, aber immer wieder neue Funktionen. Kein anderes Mobiltelefon lässt sich so einfach aktualisieren
  • Technik ist nicht Trumpf. Genauso wie es einen (grossen) Markt für die einfachst Telefone von Nokia gibt, gibt es einen Markt für Multimediatelefone, die einfach. nur. funktionieren. (Um es mit vowe zu sagen, der mit seinem iPhone im grossen und ganzen sehr zufrieden ist). Das ganze Gejammer über fehlende 5 Megapixel, fehlendem UMTS, fehlendem MMS geht den Millionen, die sich ein iPhone gekauft haben, am A…. vorbei. Denn darauf kommt es schlicht und einfach nicht drauf an.
  • GPRS / EDGE / UMTS? Wifi! Dort spielt in Zukunft die Musik. Natürlich gibt es Randgruppen, die auf Internet in nicht erschlossenen Regionen angewiesen sind.

Es ist absehbar, dass auch andere Telefonhersteller in Zukunft andere Verhandlungen mit den Carriern führen werden. Dagegen richtet sich die Klage von Vodafone, davor haben sie (zurecht) Angst.

Und vielleicht, vielleicht führt die Klage von Vodafone ja doch dazu, dass es ein entbündeltes iPhone geben wird. Morgen Mittwoch, 21.11. wissen wir mehr. An der sich ändernden Mobillandschaft wird das nichts ändern!

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